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Renaissance eines vergessenen Berges

Es begann, wie so manchmal im Leben, mit einem ungeheuren Gerumpel. Dort, wo sich vor Jahrmillionen eine schier endlose Ebene ausgebreitet hatte, tat sich unversehens ein 3000 Meter tiefer und 300 Kilometer langer Spalt auf. Der Oberrheingraben. Links und rechts des Grabens aber schoben sich die Erdmassen bis zu eintausend Meter hoch in den Himmel. Das war vor 50 Millionen Jahren. Und jetzt zoomen wir uns ein: Vor uns liegt das Weinbiet-Massiv am Ostrand des Pfälzerwalds. Und an seiner südöstlichen und südlichen Flanke, unterhalb des Bergsteins, sollte sich dann einmal - natürlich viel, viel später - eine riesige Chance für den Weinbau ergeben. Den Weinbau der Stadt Neustadt.

 

Wir machen einen Sprung in die Jetztzeit und schauen von der Hambacher Höhe über die Neustadter Altstadt, bis unser Blick an dem steilen Bergbuckel gegenüber der Stadt hängenbleibt. Oben rechts blitzt das Deidesheimer Tempelchen (benannt nach dem Weingutsbesitzer Friedrich Deidesheimer) hervor, links ziehen sich Weinterrassen bis 260 Meter hoch zum Waldessaum, dazwischen der beliebte Sonnenweg in Ost-West-Richtung. Hier also, am Sonnenweg, bringen sich seit ein paar Jahren fünf Neustadter Weingüter in lange vernachlässigten Gewannen ein, darunter drei mit einer Affinität zum Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium. Sie erwarten sich von ihrer Arbeit an den zum großen Teil steilen Hängen auf mittlere Sicht einen Pfälzer Tropfen, der seinesgleichen sucht.

 

Nun gibt es entlang des vom Buntsandstein geprägten Haardtgebirges zahlreiche exzellente Weinmacher, die sich mit ihren Gütern auch deutlich in die Rheinebene vorgewagt haben. Wobei nachzutragen wäre, dass eingangs erwähnter Grabenbruch - eine Schwachstelle in der Erdkruste von Basel bis Frankfurt - sich längst auf die gleiche Höhe wieder verfüllt hat mit Sedimenten aus Rotliegendem, Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper, Sand, Kies und dem alles überlagernden feinkörnigen, sehr fruchtbaren Löss, den uns die Gletschervorfelder der Eiszeit hinterlassen haben.

 

Was macht also das Geheimnis der zahllosen Terrassen unter und über dem Sonnenweg im Jahr 2022 aus? Es ist die Renaissance eines wertvollen städtischen Flurstücks, welches die Stadtbewohner bereits seit dem Mittelalter für den Weinanbau nutzten, das dann aber irgendwann ab den 1960-er Jahren an Bedeutung verlor. Das Wirtschaftsleben nach dem Krieg kam in Fluss, die Menschen standen wieder in fester Arbeit, ihnen ging es immer besser, sie wurden auch bequemer, und den Rücken wollten nur noch die wenigsten krumm machen in den jäh ansteigenden Wingertzeilen oberhalb der Sauterstraße.

 

Hinzu kam der Verfall der gemeinschaftlichen Wildzäune am Waldrand, der Ankauf von Parzellen durch „Städter" als Freizeitgrundstücke, die Planung einer Ortsumgehung der B 39 im Verlauf des Sonnenwegs sowie eine teilweise Wohnbebauung bis Anfang der 1960-er Jahre und die damit verbundene Bauspekulation, wie Klaus Hünerfauth von der städtischen Naturschutzbehörde weiß. In der Folge verbuschte die Stufenformation, die in ihrer Komplexität ihresgleichen sucht. Damit nicht genug, drückte und drückt der einst weit oben über der Stadt in Schach gehaltene Bergwald unaufhaltsam nach unten. Die größte noch erhaltene historische Wein-Kulturlandschaft am Haardtrand, ein unschätzbares Kleinod auch für Neustadts Tourismus, wäre in der Folge zerstört.

 

Einen vergleichbaren Süd-Terrassenhang gab es einst am Ausgang des Isenachtals in Bad Dürkheim („Sonnenwende"), der nach dem Krieg jedoch bebaut beziehungsweise wiederbewaldet wurde.

 

Was aber bewegte die oben erwähnten drei biologisch wirtschaftenden Weingüter A. Christmann (Gimmeldingen), Müller-Catoir (Haardt) und F. John (Königsbach) dazu, sich am Sonnenweg zu engagieren? Zwei Hauptpunkte sind es:  Zum einen ist es das sogenannte Terroir, das ihr Interesse weckte, also hier das exzellente Zusammenspiel von Boden, Kleinklima und Topografie. Zum anderen ist es der Wunsch, im Landschafts- und Vogelschutzgebiet „Haardtrand - Am Vogelsang" durch ökologisches Wirtschaften einen Beitrag zum Naturschutz zu leisten.

 

Das Jahr 2018, dem Pachtbeginn der Stadt mit A. Christmann und Müller-Catoir, bedeutete in den Gewannen Vogelsang, Fenichelberg und Ziegelberg einen radikalen Einschnitt für die konventionelle Produktion: Stopp für Kunstdünger und Pestizide, weniger intensive Bodenbearbeitung durch häufiges Mulchen, das Pflanzen- und Tierhabitate zerstört. Zum Erhalt der wärmeliebenden, ortstypischen Arten ist ferner das Roden und regelmäßige Zurückschneiden erforderlich, um eine zu starke Beschattung zu vermeiden, sowie der arbeitsaufwändige Schutz der Trockenmauern in der steinreichen Kulturlandschaft.

 

Clement Heber vom städtischen Naturschutzbeirat macht darauf aufmerksam, wie wichtig es ist, für eine Mischung offener, heiß-trockener und extensiv bewirtschafteter Flächen mit ver-buschten Bereichen und Heckenzügen zu sorgen. „Dies zusammen mit der Lage am Waldrand ist die Grundlage der hohen Artenvielfalt." An geflügelten Bewohnern im Sonnenweg-Bereich nennt er Habicht, Sperber, Turmfalke, Ziegenmelker, Wiedehopf, Neuntöter, Grünspecht, Zaunammer, Bluthänfling und - seltener - die Zippammer. Zu den häufig anzutreffenden Reptilien zählen Schlingnatter und Mauereidechse. Bei den Insekten ist eine reiche Wildbienen-Fauna vorzufinden. „Die Mauern sind ein wichtiges Bruthabitat. Die artenreiche standorttypische Blühpflanzenwelt gilt es zu fördern und neu zu installieren. Das ist die Nahrungsgrundlage." Braunauge und Mauerfuchs stehen stellvertretend für die Schmetterlinge.

 

Das Bemerkenswerte an den von Philipp Catoir (KRG-Abi 1990) und Steffen Christmann (KRG-Abi 1984) gepachteten städtischen Rebflächen ist das „Bodengold", nämlich eine ausgedehnte Muschelkalkplatte, wie sie hierzulande kaum zu finden ist. Beide VDP-Weingüter bauen Riesling und Spätburgunder über der Altstadt an, in der Hoffnung, mit diesem Projekt ihr Lagenportfolio signifikant zu bereichern.

 

Es bleibt spannend zu sehen, wie sich das Terrain oberhalb der Sauterstrasse in westlicher Richtung durch seine wiedererwachte landwirtschaftliche Nutzung bei gleichzeitiger Rücksichtnahme auf die Belange der Natur weiterentwickelt.

 

Wilfried Jakobi | Jahresbericht 2021 | Studiengenossenschaft Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium Neustadt an der Weinstrasse

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gepostet am 20.07.2022   —   PDF

Riesling, Pinot & Co | Utrecht

Mit 400 Fachbesucher/innen aus Handel, Gastronomie und Medien war die 19. "Riesling, Pinot & Co"-Messe in den Niederlanden sehr gut besucht. Zahlreiche Sommeliers nutzten die Gelegenheit, deutsche Weine von über 40 Ausstellern zu verkosten. Die Masterclasses zum Thema Nachhaltigkeit, gehalten von Romana Echensperger (Master of Wine) und Dr. Ludwig Pasch (Institut für Oenologie an der Hochschule Geisenheim University), verfolgten über 130 Fachbesucher/innen. Insgesamt 400 interessierte Gäste begaben sich anschließend auf die "Reise durch die deutschen Anbaugebiete": Im Eisenbahnmuseum in Utrecht präsentierten 45 deutsche Produzent/innen und niederländische Importeure zwischen ausgestellten Eisenbahnwaggons und Loks ihre Weine und Sekte.

 

Unsere präsentierten Weine:

 

2021 MC Riesling | VDP.Gutswein trocken

2021 Haardt Riesling | VDP.Ortswein trocken

2020 Bürgergarten Riesling | VDP.Erste Lage trocken

2020 Herzog Weissburgunder | VDP.Erste Lage trocken

2021 Haardt Scheurebe | VDP.Ortswein trocken

2021 Haardt Muskateller | VDP.Ortswein trocken

 

Unser Importeur in den Niederlanden:

 

Goessens wijnimport bv, Watermolen 43, 6229 PM Maastricht

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gepostet am 28.06.2022   —   PDF

Mehr geht nicht

DIE RHEINPFALZ | Nr. 146 | Montag, 27. Juni 2022

 

Mit Superlativen soll man sparsam umgehen. Am Samstag, beim Konzert von Elliott Murphy bei Müller-Catoir auf der Haardt stimmte aber einfach alles: das Ambiente im lauschigen Innenhof des Weingutes, das Wetter an diesem lauen Sommerabend und die Darbietung von Murphy und seinen Begleitern, Gitarrist Olivier Durand und Geigerin Melissa Cox.


Die Besucher jedenfalls gerieten durchweg ins Schwärmen. Manche sprachen nachher sogar davon, gerade das beste Konzert erlebt zu haben, das es im Singer/Songwriter-Bereich in den letzten Jahren in Neustadt und Umgebung gegeben hat. Der einzig Leidtragende des Spektakels war Sänger und Gitarrist Elliott Murphy selber. Der 73-Jährige hatte sich schon während des offiziellen Teils seiner Show komplett verausgabt und musste anschließend sage und schreibe noch über eine halbe Stunde lang (!) Zugaben geben. Die begeisterten Gäste der ausverkauften Veranstaltung wollten ihn einfach nicht von der Bühne lassen und schafften es sogar Murphy selbst dann noch an seinen Arbeitsplatz zurückzuholen, als er in der Garderobe bereits angefangen hatte sich seiner Bühnenkleidung zu entledigen.


Vielleicht das beste Konzert dieser Art, das es hier je gab


Trotzdem war Murphy anzumerken, wie viel Spaß es ihm bereitet, nach der Pandemie endlich wieder unter normalen Bedingungen live vor seinen Fans stehen zu dürfen, von denen einige sogar extra aus dem Ausland angereist waren. Er zeigte sich vergnügt wie selten zuvor, sprühte über vor Spiellaune, machte Witze und gab sich entspannt und selbstironisch. Nächstes Jahr feiert er sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. Als während des x-ten Zugabenteils Cox und Durand wieder einmal in den Backstagebereich verschwanden und Murphy ihnen gerade folgen wollte, von seinen Zuhörern mit tosenden Beifall jedoch zu weiterem Nachschlag aufgefordert wurde, kommentierte er das folgendermaßen: „In dem halben Jahrhundert, in dem ich diesen Job schon mache, hat sich manches verändert. Unter anderem ist der Weg zwischen Bühne und Garderobe für mich scheinbar länger geworden. Ich erspare mir darum die Anstrengung des Rückzugs und bleibe einfach gleich hier.“

1992 ist der in Paris lebende Amerikaner erstmals in Neustadt aufgetreten. „Damals war ich zehn Jahr alt“, flunkerte er schelmisch. Den Song „You Never Know What You’re In For“, der zu einem von vielen Höhepunkten seiner Vorstellung wurde, hat er bereits 1975 geschrieben, „also schon bevor ich geboren wurde“, wie er lachend bekannt gab. Und seinen umgehängten Mundharmonikahalter, den er 1971 gekauft hat, bezeichnete er als „das einzige Originalteil an mir“. Mit solchen Sprüchen gelang es ihm spielend, die Sympathien aller Anwesenden auf sich zu ziehen.

 

Lieber Sauerstoff als Frauen und Drogen


Aber natürlich lebte der Konzertabend nicht nur vom gesprochenen Wort, sondern vor allem von den großartigen Songs, die Murphy im Laufe seiner Karriere geschaffen und veröffentlicht hat. Wer ihnen gut zuhört, spürt, dass sie vieles von dem preisgeben, was den Komponisten bewegt. 2008, auf dem Höhepunkt der damaligen Finanzkrise, hat er eine Nummer geschrieben, die sich mit ihrem kritischen Text auch als Stellungnahme zur aktuellen politischen Lage verstehen lässt und schon im Titel des Autors Wut und Ohnmacht deutlich zum Vorschein bringt: „What The Fuck Is Going On?“. Murphy vergisst aber trotz allem auch nicht dankbar zu sein. Das Stück „Decodance“ ist seinem ehemaligen Mentor Lou Reed gewidmet, mit dem er in den 70er Jahren durch die Diskotheken seiner Geburtsstadt New York zog. Mit „I Wanna Talk To You“ wünscht er sich noch lange vor Publikum spielen und mit ihm kommunizieren zu dürfen.

Der Humor kommt bei Elliott Murphy aber nie zu kurz. In seiner Ansage zum Stück „Last Of The Rockstars“ gibt er Antwort auf eine Frage, die sich viele Konzertgänger wahrscheinlich schon oft gestellt haben: Was passiert eigentlich nach einem Konzert hinter der Bühne? „Sicher glaubt ihr, dort warten schöne Frauen, Jack Daniels und jede Menge Gras auf mich“, erzählt er, „aber ich versichere euch, ihr täuscht euch. Die Wahrheit ist, dass ich mir nachher nichts mehr wünsche als eine Sauerstoffdusche, die mich wieder einigermaßen auf die Beine bringt.“

 

Für sein Alter ist der Mu­si­ker er­staun­lich ge­len­kig


In Wirklichkeit hat Murphy die aber gar nicht nötig. Für sein Alter ist der Musiker erstaunlich jung und gelenkig geblieben. Immer wieder zeigt er sich in Posen, wie sie nur echte Rocker draufhaben und sucht die Nähe von Olivier Durand, um mit diesem kleine, einstudierte Choreographien vorzuführen. In dem französischen Ausnahmegitarristen und der australischen Violinistin Melissa Cox hat er kongeniale Partner gefunden, die es beherrschen, so perkussiv zu spielen, dass auch schon mal, wie jetzt auf der Haardt, auf Bandschlagzeuger Alan Fatras verzichtet werden kann, ohne damit an der Klasse der Darbietung Abstriche machen zu müssen.

Murphys Lieder gleichen dabei häufig einer Fahrt mit der Eisenbahn. Erst setzt sich der Zug langsam in Bewegung, dann nimmt er allmählich Fahrt auf, bis er schließlich im Höllentempo über die Gleise donnert, bevor er irgendwann stoppt – aber nur, um seine Reise kurz darauf in gleicher Geschwindigkeit fortzusetzen. Passend dazu trug eine der letzten Zugaben von Elliott Murphy & Co. den Titel „Drive All Night“.

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gepostet am 27.06.2022   —   PDF

Martin Franzen - der Macher hinter den Weinen des Pfälzer Kult-Weinguts Müller-Catoir

 

Für die aktuelle Podcast-Episode bin ich an die Weinstraße gefahren, diesmal nach Neustadt-Haardt, um mich im Weingut Müller-Catoir mit Martin Franzen zu treffen. Martin Franzen ist Moselaner, den es vor genau 20 Jahren in die Pfalz verschlagen hat, nachdem er sich zunächst im Schlossgut Diel an der Nahe, dann im Ortenauer Weingut Nägelsförst seine Sporen verdient hat.

 

Martin Franzen tritt das Erbe von Hans-Günther Schwarz an

Das Weingut Müller-Catoir, das heute in 9. Generation von Philipp David Catoir souverän und umsichtig geleitet wird, zählt spätestens seit den 1990er Jahren zu den unübersehbaren Fixsternen am deutschen Weinhimmel. Schon in der Zeit von Hans-Günther Schwarz als Kellermeister sind sie das Maß aller Dinge in der Pfalz. Brillant, fruchtkomplex und regelrecht bezaubernd reintönig präsentiert sich die gesamte Range, ganz gleich ob trocken oder edelsüß. Auch unter Martin Franzen ist das Niveau bei Müller-Catoir unverändert hoch - weniger fruchtintensiv, immer noch ungeheuer brillant und präzise, aber leiser, tiefgründiger und auch ein bisschen geheimnisvoller.

 

Martin Franzen wird von Robert Parker zur "Wine Personality of the Year" ausgewählt

Dass Martin es geschafft hat, das ungemein traditionsreiche und weltweit geschätzte Weingut Müller-Catoir auf Kurs zu halten, ja binnen kürzester Zeit sogar neue Akzente zu setzen, die Stilistik zu präzisieren und bereits 2007 vom einflussreichsten amerikanischen Weinkritiker Robert Parker in die alljährlich erscheinende Liste der „Wine Personalities of the Year" aufgenommen zu werden, das ist aller Ehren wert.

Einen entscheidenden Schub, erklärt mir Martin im Interview, habe die Bio-Umstellung gebracht, die er 2007 eingeleitet und 2009 für die gesamte Rebfläche abgeschlossen hat. Die Böden seien in der Folge vitaler geworden und die Reben hätten in eine bessere Balance gefunden, seien durch ein reduziertes vegetatives Wachstum zur Ruhe gekommen. Auch die Weine seien dadurch im Ergebnis ebenfalls in ein ruhigeres Fahrwasser gekommen - entspannter und zugleich komplexer, tiefgründiger und salziger und immer mit etwas weniger Alkohol als früher.

 

Martin erläutert das im O-Ton so...

„Also es war dann nach einigen Jahren einfach klar, dass wir mit dem konventionellen Weinbau eine Grenze erreicht haben. Die Weine waren sehr gut, sie waren sehr mineralisch, sie waren sehr verspielt, aber irgendwo hat was gefehlt. Die Dinge schienen ausgereizt. Bio hat uns dann noch mal wirklich die Augen geöffnet. Die Reben sind heute viel in sich ruhender, die Weine sind in sich ruhender, sie haben eine größere Harmonie. Wir sind vom Mineralischen ins Salzige reingekommen.

Die Lagenunterschiede sind seither deutlich schmeckbarer. Der Weinberg an und für sich lebt wieder ein viel ruhigeres Jahreszeitendasein. Die Reben erzählen uns auch mehr, da muss man einfach nur zuhören. Man muss mit seinen Reben reden. Das ist definitiv so, sonst funktioniert Bio nicht. Man muss immer da sein, wenn es der Rebe gut und wenn es ihr mal schlecht geht.“

 

Martin Franzen fährt mit seinen Erläuterungen fort...

„Gerade in schwierigen Jahren wie 2021 oder 2016 trennt sich die Spreu vom Weizen. Da geht es wirklich drum, im Weinberg zu leben. Anders kriegt man das sonst nicht hin. Das Resultat ist aber, dass wir im Herbst weniger Arbeit haben. Wir haben weniger diese schockartige Fäulnisproblematik. Es kippt wesentlich weniger um als früher. Wir haben auch hier und dort ein bisschen Botrytis, aber nie schubweise. Der große Vorteil von Bio ist - auch im Pflanzenschutz - man sieht die Dinge früher und sie treten im Anfangsstadium bei weitem nicht so massiv auf.

Man weiß, wann man was machen muss und wie man es machen muss, denn die Rebe kommuniziert viel früher und offener als im konventionellen Pflanzenschutz. Dort ist immer alles geschützt, bis es dann komplett eskaliert und die Anlage mehr oder weniger vor dem Herzinfarkt steht. In einem Bio-Weinberg geht alles langsamer, als Winzer bekomme ich die Veränderungen mit, muss dann aber schlagartig handeln, sonst ist der Zug natürlich abgefahren…“

 

Er resümiert...

„Qualität ging früher schon immer nur im Weinberg, aber heute unter den Bedingungen zunehmender Klimakapriolen gilt das umso mehr. Das ist heute noch einmal viel viel wichtiger geworden. Wir versuchen im Weinberg wirklich alles. Klassisches Beispiel der Jahrgang 2021. Die meisten Kollegen haben mit hohen Säurewerten und grün-grasigen Mosten gekämpft, die nicht reif waren, weil die Trauben nicht ausgereift waren.

 Wir haben hier bei uns auch in 2021 reife Trauben geerntet. Ja, es ist nicht so, dass das nicht machbar wäre. Da zeigt sich aber dann, wer wirklich 1000 Schritte im Weinberg macht und wer nur 100 geht. Der kommt dann aber halt nicht ans Ziel.“

 

Entspannt bleiben - die frankophile Stilistik der Weine von Müller-Catoir

Im Podcast-Interview vertiefen wir, was Martin in 2021 im Detail unternommen hat, um vollreife Trauben zu ernten. Anschließend diskutieren wir die Stilistik seiner Weine. Meine Beobachtung, dass sich seine Weine in ihrer Jugend, speziell in den ersten Monaten nach der Füllung vergleichsweise verschlossen und unnahbar präsentieren, erklärt er so:

„Das ist richtig. Ich folge weitgehend der französischen Ausbauweise. Das heißt, ich vinifiziere nicht auf Frucht und dulde auch nur allerkleinste Mengen Restzucker. Das kann dann natürlich direkt nach der Füllung den Wein reduzieren und auch etwas kantig und verschlossen machen. Umso schöner wird er dann aber später wieder aufwachen. Das heißt, umso weniger extrovertiert sich der Wein in seiner Jugend präsentiert, umso feiner reift er in der Zukunft. Ich ziele auf Weine, die reifen, ohne zu altern, auf Weine, die ein großes Reifepotenzial haben…In unsere Weine muss man sich ein bisschen reinknien, gerade in der Jugend. Aber umso mehr bekommt man, wenn man ein wenig Geduld hat.“

 

Martin Franzen verfügt über ein exzellentes Lagenportfolio bei Müller-Catoir

In einer weiteren Sequenz sprechen wir über das Rebsorten- und Lagenportfolio von Müller-Catoir. Neben dem Riesling, auf den 60 Prozent der Rebfläche entfallen, sind die Burgundersorten die großen Gewinner des vergangenen Jahrzehnts. Sowohl Weiß- als auch Spätburgunder haben deutlich zugelegt. Die wichtigste Lage ist der vom gelben Buntsandstein geprägte Bürgergarten in Haardt. Der ungemein tiefgründige Boden, der hier seit Jahrhunderten als Weinbergsland bewirtschaftet wird, besteht aus verwittertem gelben Buntsandstein mit löss- und lehmhaltigen Einlagen.

"Im Breumel“, die wertvollste Parzelle innerhalb des Bürgergartens, vinifiziert Martin separat und füllt daraus ein Großes Gewächs - ein Gigant mit enormem Reifepotenzial. Am Gaumen ist er rein, sehr intensiv und kraftvoll, aber zugleich raffiniert und sehr elegant. Ein Riesling mit viel Grip und Spannung und einem salzigen Ausklang mit großer Persistenz.

 

Martin Franzen und Steffen Christmann reanimieren ein historisches Terroir in Neustadt

Hinzugekommen ist kürzlich eine alte, längst vergessene Weinbergslage, ein historisches Neustädter Terroir, das Martin zusammen mit Steffen Christmann zu neuem Leben erweckt hat. Die Lage „Vogelsang“ ist die am frühesten erwähnte Weinlage am Panoramahang über Neustadt und schließt auch die südlich benachbarten Parzellen „Fenichelberg“ und „Ziegelberg“ mit ein. Alle drei Weinlagennamen verschwanden mit dem Weingesetz von 1971. Sie wurden mit anderen Rebgärten zur heutigen Weinlage „Mönchgarten“ zusammengefasst.

Die Urgesteinsböden des unter Naturschutz stehenden, von weitem sichtbaren Südhangs bestehen aus einer in diesem Teil der Pfalz seltenen Muschelkalk-Formation. Durch die unmittelbare Nähe zum Pfälzer Wald und die abends von der Stadt aufsteigenden Warmluftströme profitieren die hochgelegenen, sonnenverwöhnten Weinberge zudem von einem außergewöhnlichen Kleinklima. Das ist exzellentes Burgunder-Terroir, aber natürlich auch ein idealer Standort für Rieslingreben.

 

Martin Franzen schenkt ein - Muskateller und Riesling

Über all diese Dinge spreche ich mit Martin Franzen im Podcast-Interview. Zum Abschluss verkosten wir zwei seiner Weine, einen 2019er Muskateller und einen 2016er Riesling Erste Lage aus dem Bürgergarten. Der Muskateller präsentiert sich in absoluter Bestform - sehr klar, frisch und kühl in der Nase, ergänzt durch zarte Minze- und Orangenaromen. Am Gaumen zeigt er sich saftig und frisch, ein gut strukturierter und recht intensiver Muskateller mit feiner, eleganter Säure und einem ausgewogenen, anregenden Finish mit Aromen von Fenchel und schwarzen Oliven. Tolle Balance zwischen Intensität und Leichtfüßigkeit!

Der Riesling war dagegen sehr viel geheimnis- und anspruchsvoller. Er verlangte Zeit und Zuwendung, die wir während unseres Gesprächs nicht erübrigen konnten. Schon heute freue ich mich jedoch auf die nächste Begegnung. Definitiv ist es Wein mit großem Reifungspotenzial, der heute längst noch nicht alles zeigt, was in ihm steckt. Wohl dem, der ein paar Flaschen eingelagert hat und bereit ist, auf deren Höhepunkt zu warten.

 

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gepostet am 26.02.2022   —   PDF

Haardt Riesling punktet in Schweden

In Schweden hat unser HAARDT RIESLING jetzt zum zweiten Mal in Folge den „Re-Buy“ geschafft und ist damit auch in diesem Jahr temporär in ca. 120 Geschäften des staatlichen Alkoholmonopols Systembolaget verfügbar. Bereits im vergangenen Jahr war unser Vorzeige-Ortswein im gehobenen Preissegment (>159SK) Schwedens meistverkaufter Wein aus Deutschland. Mit dem erneut gestiegenen Auftragsvolumen wird unser Topseller auch in 2022 diese Spitzenposition verteidigen.

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gepostet am 25.02.2022   —   PDF

Aftenposten | A-magasinet | Ingvild Tennfjord

Top Rating für unseren Pinot Noir! Unser HAARDT SPÄTBURGUNDER hat gerade eine tolle Rezension in Norwegens größter Zeitung „Aftenposten“ erhalten. Kommentar: „Ah, so weich! Als würde man Samt trinken. Der Wein hat einen schlanken, zarten Körper. Dabei ist die Frucht trotzdem kompakt, konzentriert und authentisch. Pinot Noir aus Deutschland. Er schlug viele der Burgunder, die ich in derselben Woche probierte.“ (Höchstbewertung: 6 von 6 Punkten!)

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gepostet am 26.01.2022   —   PDF

Preis-Leistungs-Sieger

In der gestern veröffentlichten Ausgabe von James Sucklings "TOP 100 VALUE WINES OF 2021 ($35 OR LESS!)" ist unser 2020 Haardt Muskateller als bester Wein aus Deutschland aufgeführt (95 Punkte | Platz 14 der Weltrangliste). Kommentar: "Für einen Ortswein absurd stark, hat dieser Wein eine wahrhaft umwerfende Nase nach exotischen Früchten (Sternfrucht, Maracuja und Mangostan) und tropischen Blumen. Eine trockene weiße Essenz der Muskattraube mit blitzartiger Frische, die durch ihre Konzentration und Feinheit besticht. Die Natur ist stark!“

PS: Sein „größerer Bruder“, der 2020 Bürgergarten Muskateller, wurde zuletzt mit sensationellen 99 Punkten bewertet und rangiert damit unter den allerbesten seiner Art weltweit.

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gepostet am 21.01.2022   —   PDF

Lorbas III.

Unser treuer, alter Hauskater ist neulich friedlich eingeschlafen. Wir vermissen ihn.

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gepostet am 20.12.2021

Meiningers Deutscher Pinot-Preis 2021

Weiße Burgundersorten erfreuen sich seit Jahren immer größerer Beliebtheit, sowohl im Anbau wie auch bei den Weinliebhabern. In insgesamt 9 Kategorien aufgeteilt verkostete eine Expertenjury Mitte/Ende November die eingereichten Weine, verkostete und bewertete diese blind und zeichnete die besten Weine auf Basis des 100-Punkte-Schemas aus.

 

Den 1. Platz in der Kategorie IX - restsüß & edelsüß belegte unsere

 

2007 Herrenletten Weißburgunder Trockenbeerenauslese

VDP.Erste Lage edelsüß

 

Alexandra Wrann vom Fachmagazin Weinwirtschaft und Christian Wolf, Director Degustation des Meininger Verlag, stellen den Siegerwein vor.

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gepostet am 01.12.2021   —   PDF

Ronn Wiegand | Deutschland | Jahrgang 2019

RESTAURANT WINE® hat nun auch den „GERMAN WINE REPORT 2019 VINTAGE" veröffentlicht! In der Sammelausgabe #194–198 von "Restaurant Wine" widmet sich Master of Wine und Master Sommelier Ronn Wiegand den deutschen Weiß-, Rosé- & Rotweinen des Jahrgangs 2019. Mit 11 Weinen, welche mit der Bestnote (5 Sterne ) bewertet wurden, schneidet Müller-Catoir in den „Star Listings“ erneut außergewöhnlich gut ab und bestätigt damit seinen Ruf als eines der besten Weingüter Deutschlands.

Vollständiger Verkostungsbericht

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gepostet am 19.11.2021   —   PDF

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