Zum Tod von Hans-Günter Schwarz: Ein Meister des „kontrollierten Nichtstuns“
Der Neustadter Winzer Hans-Günter Schwarz war seiner Zeit weit voraus und teilte seine Kenntnisse gern mit Kollegen. Erinnerungen an einen uneitlen Experten.
Er prägte den deutschen Weißweinstil einer ganzen Epoche und formte als geduldiger und empathischer Lehrmeister die Arbeitsweise einer Generation hoch angesehener Weinmacher: der Pfälzer Winzer Hans-Günter Schwarz. Am Freitag ist der Neustadter im Alter von 84 Jahren gestorben.
Mit leuchtenden Augen erinnern sich Weinexperten an den Jahrgang 2001, den letzten, den Hans-Günter Schwarz im Neustadter Weingut Müller-Catoir vor seiner Pensionierung ausbaute. Die grandiose Kollektion war der krönende Abschluss eines Arbeitslebens, das von wunderbaren Weinen ebenso geprägt war wie von der damals keineswegs selbstverständlichen Bereitschaft, geniale Fähigkeiten an Freunde, Lehrlinge und Praktikanten weiterzugeben.
Seine Schüler und heutigen großen Winzer
Unter seinen Schülern befinden sich heutige Weinbaugrößen wie Jan Eymael, Hans-Jörg Rebholz, Andreas Schumann, Frank John, Sven Leiner, Konrad Salwey, Markus Wöhrle oder Julia Keller. Sie alle loben sein Fachwissen ebenso wie seine soziale Kompetenz – auch weil er ihnen half, ihren eigenen Weinstil zu finden und zu verbessern.
Nicht nur mit seinem offenen und gegenüber Kollegen hilfsbereiten Wesen war Schwarz seiner Zeit voraus. Auch seine Art des Weinausbaus stand im Gegensatz zur damals „herrschenden“ Weinbau- und Kellertechnik. Die Erkenntnis, dass großer Wein im Weinberg entsteht und dort deshalb akribisch gearbeitet werden muss, setzte sich erst Jahrzehnte später durch.
Kritik humorvoll verpackt
In einer Zeit, die von Maschinen, Pülverchen und scheinbar qualitätsverbessernden Eingriffen geprägt war, pflegte Schwarz das Motto des „kontrollierten Nichtstuns“: Guter Traubenmost brauche nur wenige Eingriffe im Keller. „Zum richtigen Zeitpunkt das Falsche unterlassen“, nannte er schmunzelnd seine Arbeitsweise. Mit humorvollen Sprüchen konnte er auch Kritik äußern. Dünne, harmlose Industrieweinchen beschrieb er schon mal mit: „Schmeckt angenehm nach nichts.“
Das Ergebnis seiner Arbeit jedoch waren Weine, die nicht nur bei einer, sondern bei allen Rebsorten an der Spitze deutscher Weinqualität standen. Niemand vermochte zu seiner Zeit die speziellen Eigenschaften jeder Rebsorte ähnlich brillant und klar herauszuarbeiten. So beeindruckte er staunende Kritiker nicht nur durch feinste Rieslinge und weiße Burgunder. Seine Fähigkeit, den schwierigen Rieslaner trocken wie süß ausgebaut zu atemberaubender Qualität zu führen, verschaffte der mittlerweile wieder fast vergessenen Sorte einen kleinen Boom.
Lob aus Amerika für seine Weine
Bis heute gelingt es kaum einem Winzer, Scheureben trocken, süß oder gar als edle Beeren- und Trockenbeerenauslese zuverlässig Jahrgang für Jahrgang in seiner Finesse auf die Flasche zu bringen. Das sprach sich weltweit herum. Auch in Amerika erhielten seine Weine höchste Bewertungen.
Der Weinbau war Hans-Günter Schwarz nicht in die Wiege gelegt. Er wurde 1941 im südpfälzischen Albersweiler als eines von fünf Geschwistern geboren. Die Eltern starben früh. Der große Bruder brachte ihn zum Weinbau. Nach der Lehre in Bad Dürkheim und einer Ausbildung zum Weinbautechniker in der Weinbauschule im unterfränkischen Veitshöchheim wurde er bereits mit 19 Jahren Betriebsleiter im Haardter Weingut Müller-Catoir. Er blieb 41 Jahre lang bis zu seiner Pensionierung. Danach blieb er noch lange ein gefragter Berater und selbstlos hilfsbereiter Freund.