Mehr geht nicht — Weingut Müller-Catoir

Mehr geht nicht

DIE RHEINPFALZ | Nr. 146 | Montag, 27. Juni 2022

 

Mit Superlativen soll man sparsam umgehen. Am Samstag, beim Konzert von Elliott Murphy bei Müller-Catoir auf der Haardt stimmte aber einfach alles: das Ambiente im lauschigen Innenhof des Weingutes, das Wetter an diesem lauen Sommerabend und die Darbietung von Murphy und seinen Begleitern, Gitarrist Olivier Durand und Geigerin Melissa Cox.


Die Besucher jedenfalls gerieten durchweg ins Schwärmen. Manche sprachen nachher sogar davon, gerade das beste Konzert erlebt zu haben, das es im Singer/Songwriter-Bereich in den letzten Jahren in Neustadt und Umgebung gegeben hat. Der einzig Leidtragende des Spektakels war Sänger und Gitarrist Elliott Murphy selber. Der 73-Jährige hatte sich schon während des offiziellen Teils seiner Show komplett verausgabt und musste anschließend sage und schreibe noch über eine halbe Stunde lang (!) Zugaben geben. Die begeisterten Gäste der ausverkauften Veranstaltung wollten ihn einfach nicht von der Bühne lassen und schafften es sogar Murphy selbst dann noch an seinen Arbeitsplatz zurückzuholen, als er in der Garderobe bereits angefangen hatte sich seiner Bühnenkleidung zu entledigen.


Vielleicht das beste Konzert dieser Art, das es hier je gab


Trotzdem war Murphy anzumerken, wie viel Spaß es ihm bereitet, nach der Pandemie endlich wieder unter normalen Bedingungen live vor seinen Fans stehen zu dürfen, von denen einige sogar extra aus dem Ausland angereist waren. Er zeigte sich vergnügt wie selten zuvor, sprühte über vor Spiellaune, machte Witze und gab sich entspannt und selbstironisch. Nächstes Jahr feiert er sein 50-jähriges Bühnenjubiläum. Als während des x-ten Zugabenteils Cox und Durand wieder einmal in den Backstagebereich verschwanden und Murphy ihnen gerade folgen wollte, von seinen Zuhörern mit tosenden Beifall jedoch zu weiterem Nachschlag aufgefordert wurde, kommentierte er das folgendermaßen: „In dem halben Jahrhundert, in dem ich diesen Job schon mache, hat sich manches verändert. Unter anderem ist der Weg zwischen Bühne und Garderobe für mich scheinbar länger geworden. Ich erspare mir darum die Anstrengung des Rückzugs und bleibe einfach gleich hier.“

1992 ist der in Paris lebende Amerikaner erstmals in Neustadt aufgetreten. „Damals war ich zehn Jahr alt“, flunkerte er schelmisch. Den Song „You Never Know What You’re In For“, der zu einem von vielen Höhepunkten seiner Vorstellung wurde, hat er bereits 1975 geschrieben, „also schon bevor ich geboren wurde“, wie er lachend bekannt gab. Und seinen umgehängten Mundharmonikahalter, den er 1971 gekauft hat, bezeichnete er als „das einzige Originalteil an mir“. Mit solchen Sprüchen gelang es ihm spielend, die Sympathien aller Anwesenden auf sich zu ziehen.

 

Lieber Sauerstoff als Frauen und Drogen


Aber natürlich lebte der Konzertabend nicht nur vom gesprochenen Wort, sondern vor allem von den großartigen Songs, die Murphy im Laufe seiner Karriere geschaffen und veröffentlicht hat. Wer ihnen gut zuhört, spürt, dass sie vieles von dem preisgeben, was den Komponisten bewegt. 2008, auf dem Höhepunkt der damaligen Finanzkrise, hat er eine Nummer geschrieben, die sich mit ihrem kritischen Text auch als Stellungnahme zur aktuellen politischen Lage verstehen lässt und schon im Titel des Autors Wut und Ohnmacht deutlich zum Vorschein bringt: „What The Fuck Is Going On?“. Murphy vergisst aber trotz allem auch nicht dankbar zu sein. Das Stück „Decodance“ ist seinem ehemaligen Mentor Lou Reed gewidmet, mit dem er in den 70er Jahren durch die Diskotheken seiner Geburtsstadt New York zog. Mit „I Wanna Talk To You“ wünscht er sich noch lange vor Publikum spielen und mit ihm kommunizieren zu dürfen.

Der Humor kommt bei Elliott Murphy aber nie zu kurz. In seiner Ansage zum Stück „Last Of The Rockstars“ gibt er Antwort auf eine Frage, die sich viele Konzertgänger wahrscheinlich schon oft gestellt haben: Was passiert eigentlich nach einem Konzert hinter der Bühne? „Sicher glaubt ihr, dort warten schöne Frauen, Jack Daniels und jede Menge Gras auf mich“, erzählt er, „aber ich versichere euch, ihr täuscht euch. Die Wahrheit ist, dass ich mir nachher nichts mehr wünsche als eine Sauerstoffdusche, die mich wieder einigermaßen auf die Beine bringt.“

 

Für sein Alter ist der Mu­si­ker er­staun­lich ge­len­kig


In Wirklichkeit hat Murphy die aber gar nicht nötig. Für sein Alter ist der Musiker erstaunlich jung und gelenkig geblieben. Immer wieder zeigt er sich in Posen, wie sie nur echte Rocker draufhaben und sucht die Nähe von Olivier Durand, um mit diesem kleine, einstudierte Choreographien vorzuführen. In dem französischen Ausnahmegitarristen und der australischen Violinistin Melissa Cox hat er kongeniale Partner gefunden, die es beherrschen, so perkussiv zu spielen, dass auch schon mal, wie jetzt auf der Haardt, auf Bandschlagzeuger Alan Fatras verzichtet werden kann, ohne damit an der Klasse der Darbietung Abstriche machen zu müssen.

Murphys Lieder gleichen dabei häufig einer Fahrt mit der Eisenbahn. Erst setzt sich der Zug langsam in Bewegung, dann nimmt er allmählich Fahrt auf, bis er schließlich im Höllentempo über die Gleise donnert, bevor er irgendwann stoppt – aber nur, um seine Reise kurz darauf in gleicher Geschwindigkeit fortzusetzen. Passend dazu trug eine der letzten Zugaben von Elliott Murphy & Co. den Titel „Drive All Night“.

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gepostet am 27.06.2022   —   PDF

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